Foto: Constantin Ilbodo

„Mach dir ein Bild“ reist nach Ostafrika

„Mach dir ein Bild“ 2015/2016 im Kongo

 

„Mach dir ein Bild“ - ein Menschenrechtsprojekt und Kunstprojekt

Es ist ein Projekt, in dem über einen künstlerischen Dialog gemeinsam neue Perspektiven eröffnet werden sollen. Dieser Dialog ist alters-, herkunfts-, sprach- und religionsübergreifend. So wird dazu beigetragen, dass mit der eigenen Kreativität frei gearbeitet werden kann und Kinder in einen Dialog geführt werden, in dem Ängste und Vorbehalte abgebaut werden können.

2015/16 zieht das Projekt „Mach dir ein Bild“ in den Kongo.

Kongos Geschichte

Die Demokratische Republik Kongo ist flächenmäßig das drittgrößte Land auf dem afrikanischen Kontinent und wird hier in der westlichen Welt oft als hoffnungsloses Land beschrieben. Trotz des Reichtums an Bodenschätzen ist die Bevölkerung eine der ärmsten der Welt. Der aktuellen Situation im Kongo geht eine lange Leidensgeschichte von jahrzehntelanger Diktatur und Bürgerkriegen voraus.¹


Die Bildung in und durch die Künste als Stärkung der eigenen Identität

Unserer Meinung nach ist der Kongo nicht als hoffnungslos zu bezeichnen. Eine neue Generation wächst heran. Durch das Gespräch mit Künstlern, Menschen und Beobachtern vor Ort wissen wir, dass es ein großes Bedürfnis der Kongolesen ist, dass sich unsere Sicht auf und unsere Haltung gegenüber dem Kontinent verändert. Wir sollten begreifen, was die Menschen für ein unglaubliches Potenzial im kulturellen und künstlerischen Bereich zu bieten haben. Genau dort setzt das Projekt „Mach dir ein Bild“ an.

„Mach dir ein Bild“ will diese Perspektive verändern und den ebenso entsetzlichen wie stigmatisierenden Bildern eine neue, unverfälschte Sicht entgegensetzen.
Mit Kameras, Musikinstrumenten, Pinseln und Farbe ausgestattet, im Tanz und im Schauspiel haben die Kinder im Kongo als nächste Generation des Landes die Möglichkeit, uns an ihrer Lebenswirklichkeit teilhaben zu lassen und so mit den Vorurteilen aufzuräumen, die eine Begegnung beider Gesellschaften auf Augenhöhe derzeit so schwierig machen. Dazu folgt „Mach dir ein Bild“ drei Prinzipien. ( Siehe Seite 1)

Das Projekt ‚Mach dir ein Bild’ birgt authentische Eindrücke von Bräuchen, Alltagsgewohnheiten, Festen, Handwerkskünsten, Tanz, Theater, Musik. Diese Ereignisse werden im Rahmen des Projektes von den Teilnehmern aus ihrer eigenen Sicht und mit ihren eigenen Prioritäten dokumentiert. Die Relevanz dieser Aspekte im Leben der Teilnehmer wird vor allem dadurch deutlich, dass sie nicht bewusst seitens der Projektverantwortlichen herbeigeführt oder stimuliert wird.

 

Auftakt des Projektes in Burkina Faso, Weiterführung in Ruanda, neues Ziel Kongo

Nach dem erfolgreichen Start von „Mach dir ein Bild“ in Burkina Faso 2013 und der Weiterführung 2014 in Ruanda, kann das Projekt aus einer bestehenden Struktur heraus, auf weitere afrikanische Länder übertragen und weiterentwickelt werden.

In der Zeit in Ruanda entwickelte sich bei den Teilnehmern die Idee, das Projekt auf die Nachbarländer auszuweiten. In Gesprächen wurde sehr deutlich, dass die Menschen in Ruanda sich Sorgen machen. Angst vor Übergriffen aus dem Kongo, Sorge um neu aufflammende Konflikte zwischen den Volksgruppen Hutu und Tutsi und immer wieder entstehende Konflikte an angrenzende Länder. Dies hat uns dazu bewegt, die Projektidee auf ganz Ostafrika auszuweiten. Im Gespräch mit dem deutschen Botschafter Herrn Fahreholtz in Ruanda, haben wir diese Idee konkretisiert. Seine Idee, das Projekt auf angrenzende Länder auszuweiten, finden wir spannend und gut.

Nur gemeinsam können wir versuchen, uns einen Weg zu bahnen, auf dem Menschen lernen, dass niemand will, dass schon Kinder anfangen sich gegenseitig zu hassen.
In unserer Arbeit sind uns Transparenz, Gewaltlosigkeit, Dialog, Augenhöhe und Partizipation aller Akteurinnen, sowie Kontextsensibilität besonders wichtig.

Unsere Idee ist es mit diesem Projekt die Friedensarbeit in Ostafrika, mit Kreativität, Menschenrechtsbildung und „Awareness Raising“ voranbringen zu können, indem wir vor allem dort anfangen, wo neue Ideen am Besten gedeihen - bei den Kindern.

Ziel ist es, einen neuen Zugang zu fremden Zivilgesellschaften zu finden. Die Künstler arbeiten mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, die Sprache der Kunst befasst sich anders mit fremden Zivilgesellschaften, als es Hilfsorganisationen tun. So ermöglichen wir zivilgesellschaftliches Engagement auf Augenhöhe mit den Mitteln der Kunst.
In diesem Projekt kämpfen Künstler für Menschenrechte, denn wir sehen künstlerische Wege als einen Zugang zum Frieden. In einem Raum, in dem alles möglich ist, gibt es über einen kreativen Austausch und die Auseinandersetzung mit der Umwelt über die Sprache der Kunst, die Möglichkeit, Ängste und Vorbehalte abzubauen.


Ziel von „Mach dir ein Bild“ in Ostafrika

In Grenzgebieten werden Kinder gemeinsam über die Sprache der Kunst in Austausch miteinander treten. Wir arbeiten gerade deswegen mit Kindern, weil Kinder als neue Generation fast keine Vorbehalte und einen offenen Blick haben. Was Kinder im Kleinen vormachen, bietet die Möglichkeit, dass sich auch im Großen Dinge ändern.
Und so können Kinder dazu beitragen, dass wir alle nach und nach Ängste und Vorbehalte abbauen und Stereotype sich erledigen.

2014 waren wir mit dem Projekt in Ruanda. 2015/16 soll das Projekt in den Kongo ziehen. Zudem sind kleine Workshopeinheiten in den angrenzenden Ländern Burundi, Uganda und Kenia geplant.
In Künstlerischen Workshops arbeiten Künstler aus Deutschland in Kooperation mit Künstlern aus den angegebenen afrikanischen Ländern zusammen.

Um die Projektidee für Ostafrika zu verwirklichen, sind wir dabei, mit Menschen aus Kunst, Kultur, Wirtschaft und Politik eine „Kompanie der Kreativen“ zu gründen.

(Siehe: Kompanie der Kreativen)

 

 

Marie Köhler, Stand: Juni 2015

 

 

 

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¹ 1885 wurde der 'Freistaat Kongo' unter derSouveränität des belgischen Königs Leopold II. gegründet, welcherdas Land und seine Leute als seinen Privatbesitz ansah. Rund zwanzig Jahre später musste Leopold II. auf internationales Verlangen hin den Kongo an den belgischen Staat übergeben und der Kongo wurde belgische Kolonie.

In der menschenfeindlichen, belgischen Herrschaft wurden die wertvollen Bodenschätze des Landes brutal ausgebeutet und viele Kongolesen versklavt.Nach der Unabhängigkeit 1960 unter Präsident Joseph Kasavubu und Premierminister Patrice Lumumba, wurde dieses Land nach fünf Jahren anhaltenden chaotischen Zuständen 1965 durch einen Putsch 32 Jahre lang unter dem Diktator Mombutu Sese Seko regiert. Korruption gehörte zum politischen Tagesgeschäft. Darauf folgten Machtwechsel, Bürgerkriege und immer wieder aufflammende ethnische Konflikte.

Der Ostkongo ist lange ein unkontrolliertes Gebiet, in dem es immer wieder zwischen den beiden Ethnien Tutsi und Hutu zu grauenhaften Massenmorden kommt.

2001 wurde Präsident LD Kabila von einem Leibwächter ermordet und sein Sohn vom Parlament zum Nachfolger ernannt. Unter Joseph Kabila gewinnt der Friedensprozess zunächst an Dynamik. Nach 40 Jahren mit wirtschaftlichen Krisen, Zusammenbruch von Recht und Ordnung, Korruption, Missachtung der Menschenrechte und Konfrontationen mit den Nachbarländern (vor allem Uganda, Ruanda und Burundi), finden 2006 die ersten freien Mehrparteienwahlen statt und die DR Kongo beginnt ihr Potenzial zu entfalten. Zwischendurch kommt es aber wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Leibgarden des Vize-Präsidenten Jean-Pierre Bemba und der Präsidentengarde und 2007 zu Kämpfen zwischen den kongolesischen Streitkräften und den Milizen der Opposition unter Jean-Pierre Bemba. 2008 fand die Goma-Friedenskonferenz statt, welche kurzzeitig die Hoffnung auf ein Ende des seit einer Dekade währenden Konflikts mit überwiegend zivilen Opfern weckte. 

Da die DR Kongo über keine demokratisch-parlamentarische Tradition verfügt, wird sie immer wieder vor inhaltlichen Problemen der Ausgestaltung und Orientierung, aber auch materielle und logistische Probleme gestellt. Das Parteisystem der DR Kongo ist stark fragmentiert.

Es bleibt abzuwarten, ob es dem Land gelingt, bei den 2016 anstehenden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen demokratische Standards einzuhalten.

 

Quellen:

http://www.kongo-kinshasa.de/geschichte/index.php

http://www.giz.de/de/weltweit/348.html

http://www.kas.de/kongo/de/pages/803/

http://www.bmz.de/de/was_wir_machen/laender_regionen/subsahara/demokratische_republik_kongo/index.html

http://www.bpb.de/internationales/weltweit/innerstaatliche-konflikte/54628/kongo