// RECHERCHEREISE im KONGO & RWANDA //

Zehn Tage Kongo // Erste kulturelle Woche in Goma // Wieder zurück in Kigali, Ruanda.

Yves, Marie und Jana mit Kids in Organisation Sangoa/Goma/DRC

//Zehn Tage Kongo //
Wir reisen ohne Probleme am 28. November 2015 in die DR Kongo ein. Yves Ndagano, ein Künstler aus Goma, holt uns an der Grenze ab.
Alles ist grün und paradiesisch.
Der Kongo ist geprägt durch über 150 verschiedene Kulturkreise. Allein in dem Großraum Goma in der Region Nord-Kivu leben Menschen aus 16 Kulturkreisen zusammen. Die Regionen Nord-und Süd-Kivu gelten als Konfliktgebiete, da sich unterschiedliche Milizen gegenseitig bekämpfen. Trotz allem: Goma ist eine tolle Stadt, die Menschen sind sehr freundlich.

//Erste kulturelle Woche in Goma//
In Goma fand die erste kulturelle Woche statt: „Safari ya amani“ - Reise zum Frieden. Drei von Künstlern initiierte Organisationen haben sich zusammengetan, um Orte zu schaffen, an denen Kinder unterstützt werden können: Kinder, die Soldaten waren, Straßenkinder, oder Kinder die andere schreckliche Erlebnisse erfahren mussten.

Am ersten Morgen in Goma haben sich über 50 Künstler der Stadt getroffen, um über ihre Probleme zu diskutieren - über Krieg, Frieden und die Zukunft. Man hat uns willkommen geheißen und uns in die Diskussion integriert. Dadurch ist ein Austausch entstanden, den wir so noch nicht erlebt haben: Ein Austausch, bei dem es wirklich um etwas ging; ein Treffen, bei dem jeder Anwesende zu Wort gekommen ist, bei dem jede Meinung respektiert wurde. Es war ein Aufeinandertreffen, das spüren ließ, dass sich etwas ändern muss und auch ändern wird.
Wir haben sehr viele wirklich talentierte Künstler getroffen. Menschen, die durch die Sprache der Kunst etwas zu sagen haben.

Es wurde getanzt, getrommelt, gelacht und musiziert. Die Message der Künstler ist: Wenn Kinder über die Kunst lernen können, sich selbst zu stärken und sich auf künstlerische Weise ausdrücken können, gibt man ihnen die Möglichkeit, ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten.
Und es funktioniert. Wir haben Großartiges gesehen und erlebt: Jede Bühnenshow am Ende des Tages war ein Highlight. Ob traditioneller Tanz, Theater zu unterschiedlichen Themen oder Musik-Performances haben uns gezeigt, dass die Menschen in Goma entschieden haben, Kunst zu machen, um für den Frieden zu kämpfen.
Zum Abschluss unserer Reise nach Goma haben wir zusammen einen Song komponiert, der die gemeinsame Botschaft der Künstler und die Bereitschaft zur Veränderung eindrucksvoll zum Ausdruck bringt.
An einem einzigen Tag wurde der Song im Studio produziert und am nächsten Tag haben wir das Video gedreht.
Alles ist innerhalb von einer Sekunde machbar. Das haben wir gelernt!

// Persönliche Gedanken zum Schluss//
Während im Grünen Kunst gemacht wurde, kreisten über uns Militärhubschrauber, zudem alle zehn Minuten ein UN-Flugzeug. Die Stadt ist voll mit Hilfsorganisationen. Was genau dort oben passiert, worum es wirklich geht, wissen wir nicht. Wer wem genau hilft, oder auch nicht, bleibt größtenteils im Verborgenen. Wer welche Interessen verfolgt, ist nicht zu begreifen.
Goma ist ein schöner Ort. Ein Ort mit tollen Menschen. Ein Ort an dem man schnell vergisst, dass darum herum gekämpft wird. Ein Ort, an dem sich die Menschen wünschen, dass sich das Bild nach Außen verändert. Menschen, die sich wünschen, dass wir genauer hinschauen. Das wir erkennen, wie großartig der Kongo ist. Wie vielfältig seine Kulturen sind. Wie wertvoll die unterschiedlichen Künste sind. Daher ist es an der Zeit, den Fokus auf den Kongo zu ändern.

Wenn wir unsere Sicht ändern, wenn wir wirklich Interesse an den Menschen dort haben, wenn wir Lust darauf haben, uns mit den Menschen auszutauschen, erst dann werden wir erkennen, dass diese vielfältige Kultur uns einen Schatz bietet, der mehr Wert ist, als das Coltan, das Gold und die Diamanten, die wir aus diesem riesigen Land holen, um uns reich und gut zu fühlen.

Der Kongo, reich an Rohstoffen und doch eines der ärmsten Länder zugleich. Paradiesische Natur. Großartige Kulturen. Der Wusch nach der Frieden im eigenen Land.

Die Eindrücke aus den zehn Tagen im Kongo werden uns noch lange beschäftigen. Wir fragen uns jedoch, wie es weiter geht.
In den unzähligen Gesprächen mit den Künstlern vor Ort wurde uns klar, wir können nicht die Welt verbessen und retten, aber wir können zusammen dafür sorgen, das diese Welt in der wir leben, ein Ort wird, an dem Hass und Krieg überflüssig sind. Ein Ort, an dem das Leben menschenwürdig sein muss, ein Ort, an dem das Leben nicht in Scheiße versickert. Ein Ort, an dem Kinder nicht töten müssen, nicht in Mienen arbeiten müssen, nicht jeden Tag ums Überleben kämpfen müssen.

Menschen können einen Raum erschaffen, in dem niemand von irgendjemandem abhängig ist. Einen Raum, in dem jeder Mensch sich auf Augenhöhe begegnen kann.
Unsere Erlebnisse hier zeigen uns deutlich, dass wir den gemeinsame Ansatz, die Veränderung nur dann möglich wird, wenn wir uns zusammen tun und das mit den Mitteln der Kunst, die jeder Waffe überlegen sind. Weil sie nicht zerstören, sondern heilen. Weil sie Befreien und nicht unterdrücken, weil sie Freude und Kraft statt Tod und Unheil verbreiten. Weil sie das Herz der Menschen aktivieren und nicht den Hass schüren.
Zusammen haben wir uns entschlossen, in den nächsten drei Jahren diesen Weg gemeinsam zu gehen.

// Unser Vorhaben, bald noch etwas ausführlicher. //
„Kunstkarawane Ostafrika“. Ein Projekt, in dem sich Künstler aus dem Kongo und Deutschland zusammenschließen, um mit allen Nachbarländern wie, Ruanda, Uganda, Burundi, Kenia und Tansania verschiedene Kunstprojekte auf die Beine zu stellen.
Mit verschiedenen Regierungsabgeordneten aus der Region um Goma herum haben wir gesprochen. Das Projekt ist willkommen.
Unsere einzige Bitte ist ein Ort, an dem sich alle Künstler treffen können. Ein Kulturzentrum, an dem gemeinsam Kunst gemacht werden kann. So einen Ort hat Goma noch nicht. Die Chancen stehen gut. Wir freuen uns darauf.

Liebe Grüße aus Ruanda
Marie und Jana