Andere Bilder aus Afrika

ARTIKEL in RUHRNACHRICHTEN.de Kultur vom 25.11.2012

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DORTMUND Marie Köhler reist ab Januar für vier Monate in Christoph Schlingensiefs Operndorf. Einen Fotoworkshop mit 150 Kindern plant die 31-jährige Fotografin aus Herne in Burkina Faso. Es ist das Abschlussprojekt ihres Masterstudiengangs Fotografie an der FH Dortmund.

Die Dortmunder Studentin Marie Köhler organisiert einen Fotoworkshop in Schlingensiefs Operndorf. (Foto: Prange)


Ihr Projekt erregt viel Aufmerksamkeit. Gibt es auch etwas, was Sie nicht mehr hören wollen?

Ich gehe dort nicht als Weiße hin, es ist kein westliches Projekt, sondern eine Kooperation mit den Burkinabe, ich arbeite dafür mit Fotografen aus Ouagadougou zusammen. Und wenn Menschen sagen, dass Christoph Schlingensief sich über das Projekt freuen würde, kann ich nur sagen: Das weiß keiner.

Haben Sie Christoph Schlingensief kennen gelernt?

Leider nicht. Als ich anfing, mich mit seiner Arbeit auseinander zu setzen, während der Biennale in Venedig, war er schon gestorben.

Worum geht es in Ihrem Projekt und was für ein Ziel verfolgen Sie?

Christoph Schlingensief hat gesagt, dass fast alle Bilder, die wir von Afrika kennen, aus unserer westlichen Welt stammen und es Zeit wird, dass Afrikaner selbst die Bilder von ihrem Land machen. Wir kennen Bilder vom Krieg oder Safaribilder. Mein Ziel ist es zu sehen, was gibt es dort für Bilder und was machen die Kinder für Bilder.

Was wollen Sie den Kindern dort beibringen?

Wir wollen den Kindern keine westlichen Gestaltungsparameter oder den Goldenen Schnitt beibringen, sondern es geht darum, ihnen die Technik zu vermitteln und sie dann zu motivieren, selbstständig ihre Umgebung und ihr Leben zu fotografieren.

Wie ist die Idee zum Projekt entstanden?

Ich habe vor zehn Jahren eine Dokumentation über eine Fotografin gesehen, die in Kalkutta ein Fotoprojekt mit Kindern gemacht hat. Ich habe mir fest vorgenommen, das irgendwann selbst zu machen und angefangen analoge Kameras zu sammeln.

Wieso gerade Afrika?

Ich war mit 15 Jahren drei Monate in Kapstadt und Namibia und war fasziniert von der afrikanischen Mentalität dort, es war immer mein Traum dorthin zurückzukehren und da was zu machen.

Und warum analoge und keine digitalen Kameras?

Gibt man Kindern digitale Kameras in die Hand, fangen sie an wahllos zu knipsen. Mit analogen Kameras konzentrieren sie sich ganz anders, sie haben einen Film und damit 36 Möglichkeiten.

Wie gehen die Kinder in Afrika mit Bildern um?

Dadurch dass die afrikanischen Kinder mit dieser Bilderflut, die wir heute hier haben, noch gar nicht so in Berührung gekommen sind, haben sie noch einen ganz offenen und sehr sensiblen Blick, und ich glaube, dass der unglaublich spannend ist.

Wie geht es nach dem Workshop weiter?

Im Juli 2013 gibt es im Operndorf eine Ausstellung mit den Ergebnissen, danach stellen wir im Goethe-Institut in Burkina Faso und in Berlin aus. Unser großes Ziel ist, dass wir hier im Ruhrgebiet Ende nächstes Jahr einen Workshop für deutsche Kinder anbieten, die aus den Ergebnissen der afrikanischen Kinder lernen sollen.